Lange bevor es Sprachen gab, gab es den Tanz.
Der
"Raqs Sharqi", der "Orientalische Tanz" wird häufig auch als Bauchtanz
bezeichnet. Der Begriff Bauchtanz kommt aus dem französischen, wo
er als „Danse du ventre“ bezeichnet wird. „Raqs Sharqi“ hingegen
bedeutet „Tanz des Ostens und ist somit wohl die beste Bezeichnung
für diesen Tanz.
Die
Ursprünge des OT sind wohl die ältesten Tänze der Menschheit. Afrikanische
Initiations- und Fruchtbarkeitsriten, sowie Geburtstänze legten
den Grundstein. Höhlenmalereien in Zentralafrika zeigen tanzende
Menschen. Auch die Inschriften und Malereien in ägyptischen Gräbern
weisen auf Frauen hin, die sich zur Musik, gespielt von Frauen und
Männern bewegten. Die Pygmäen brachten den Tanz vermutlich um 2400
v. Chr. in den Orient und die Ägypterinnen lernten ihn von ihren
Sklaven. Vermutlich wurde der Bauchtanz hier erstmals zur Unterhaltung
gezeigt.
Der
Tanz nahm von Ägypten seinen Weg nach Asien, Nordafrika, Spanien
und Amerika. Einflüsse aus dem indischen, persischen Tanz und aus
Zigeunertänzen spiegeln sich in vielen Tanzkombinationen und Musikstücken
wieder.
In Ägypten galt der OT lange als verrufen. In den 30er Jahren fand
er den Weg in Bars und Nachtclubs. Show-Elementen und die Vermischung
mit Ballett legten den Grundstein für den orientalischen Showtanz.
Folkloristische Trachten wurden durch freizügigere Kostüme ersetzt.
Auf
der Chicagoer Weltausstellung 1893 traten im ägyptischen Dorf mehrere
Bauchtänzerinnen auf. Obwohl der Tanz als lasziv und obszön bezeichnet
wurde, zog er in den 20er Jahren mit großen Schritten in den amerikanischen
Stummfilm ein. Theater zeigten den Tanz der Salome und in Nachtclubs
erfreute sich der OT immer mehr Beliebtheit. In den siebziger Jahren
erlang der Tanz in der Flower-Power-Bewegung mehr und mehr an Bedeutung.
Der OT schwappte über den Ozean nach Europa. Mitgebracht wurde er
vor allem von den Frauen der amerikanischen Soldaten die in Deutschland
stationiert waren. In den 1980ern öffneten die ersten orientalischen
Tanzstudios ihre Tore.