Trainingskleidung

Kleider machen Leute!

Die sogenannte Funktionskleidung begegnet uns bei vielen Sportarten. Hauptsächlich im Zusammenhang mit Lauf-, Winter und Ballsport. Doch auch in unserer Sparte, dem orientalischen Tanz ist dieses Thema nicht zu vernachlässigen. Oftmals begegnen mir bereits in Anfängerstunden Schüler mit komplett ausgestatteter Orientgarderobe, die jeglichen Blick auf Haltung und Position des Körpers verdeckt. Oder das andere Extrem, der Level III und höher Schüler, der nach wie vor sockig und mit Alltagskleidung zum Unterricht erscheint. Beides leider total unfunktionell.

Legt man sich bspw. eine Ausrüstung für Nordic Walking zu, ist man mit Stöcken, den richtigen Schuhen, Bekleidung und technischem Gerät wie Pulsmesser und Schrittzähler schnell bei 300 Euro und mehr.

Lege ich vorerst das Augenmerk auf das unverzichtbarste Kleidungs- bzw. Zubehörstück im Tanz, sind es definitiv die Schuhe. Begegnet ist mir in dieser Hinsicht von Laufschuhen mit Rückständen vom letzten Waldlauf, über Absatzschuhe bis barfuß schon alles. In den meisten Fällen war es einfach Unwissenheit... seltenst Ignoranz. Aber es geht natürlich weiter, über die unpassende Beinbekleidung, weil zu weit oder zu eng, die Oberbekleidung weil Schlabberlook oder bauchfrei... und wie schlicht nicht in den meisten Fällen einfach aus dem falschen Material. Grundsätzlich soll man das tragen, worin man sich wohl fühlt, denn dies trägt mit Sicherheit zum Wohlbefinden innerhalb eines Kurses und mit sich selber bei. Jedoch gibt es dauerhaft keinerlei Nutzen, wenn ich mir dadurch die Chance auf ein gesundes, funktionell richtiges und dauerhaft mögliches Tanzen verbaue.

Warum nicht bauchfrei und im knappen Auftrittskostüm?

Vorab nochmal betont: Es handelt sich hier um eine Ausführung über Trainingskleidung. Also die Kleidung, die wir bei unserem täglichen oder wöchentlichen Tanztraining tragen. Dabei ist zu beachten, dass hier weder für ein Publikum ein optischer Anreiz geschaffen werden soll, noch es darum geht mehr Klimper, Klapper und Glitzer auf unseren Körper zu laden als unsere Mittänzerinnen. Es geht hier um eine funktionelle Kleidung für die sportliche Tätigkeit des orientalischen Tanzes.

Warum?

Ein Muskel muss, zum Dehnen oder Stärken aufgewärmt sein. Ein kalter Muskel ist unflexibel und anfälliger für Verletzungen. Da wir in unserem Training aber auch immer wieder kurze Phasen haben, in denen wir zuhören, ausprobieren und uns daher nicht kontinuierlich bewegen ist es nötig, dass unsere Kleidung uns vor einer zu schnellen Abkühlung schützt.

Auf der anderen Seite entsteht durch die Bewegung in unserem Körper natürlich Wärme. Sie macht etwa 70% der Energie aus, die ein Muskel bei einer Bewegung erzeugt. Um diese Wärme zu regulieren beginnt der Körper zu schwitzen. Er verdunstet Wasser auf der Haut. Also muss die gewählte Kleidung insbesondere atmungsaktiv sein. Da der Markt mittlerweile von Funktionstextilien überschwemmt wird, und deren Ausführung hier den Rahmen sprengen würde, hier ein informativer Link zum Weiterlesen: funktionstextilien.de

Im Folgenden nun also meine Empfehlung für eine optimale Trainingskleidung im orientalischen Tanz, zusammengestellt nach dem jetzigen Kenntnisstand.

Was sollte man beachten?

An den Schüler:

Generell ist eine enganliegende Kleidung von Vorteil um die eigene Bewegung besser zu sehen und um der Dozentin die Korrektur zu erleichtern. Dabei ist diese natürlich jahrezeitenabhängig.

Arme und Hände

Die Arme und Hände gehören zu den Körperteilen, die bei einer zu geringen Raumtemperatur am schnellsten abkühlen. Deshalb ist darauf zu achten, dass gerade im Winter, wenn die Trainingsräume schnell an Temperatur verlieren, die Arme ausreichend geschützt sind.

Oberkörper

Der Oberkörper, insbesondere auch der Taillen- und Hüftbereich, sollte ausreichend bedeckt sein. Die Kleidung sollte am Körper anliegen, damit auch feine Bewegungen im Brustkorb und den Schultern zu sehen sind. Bauchfrei sollte wirklich nur im Sommer bei hohen Temperaturen getragen werden.

Hüfte

Das im orientalischen Tanz übliche Hüfttuch sollte nicht fehlen. Man bekommt ein besseres Gespür für die Bewegung, schafft einen optische Anreiz und vor allem eine Orientierungshilfe für das Ausführen mancher Bewegungen, die bspw. in der Horizontalen Laufen. Optimalerweise hebt sich das Tuch farblich von der darunter getragenen Kleidung ab, ist ausreichend groß um um die Hüfte gebunden zu werden und hat (zumindest im Anfängerkurs!) keine Münzen. Es genügt ein normales Dreieickstuch, ein Pareo oder Schal, der entsprechend umfunktioniert werden kann.
TIPP: Selbstgemachte Hüfttücher aus Pannesamt sind einfach herzustellen, günstig und entsprechen ihrem Zweck vollkommen. Man muss es nicht einmal umnähen und kann sie schnell udn einfach in die gewünschte Größe schneiden.

Beine

Optimal ist eine enganliegende Hose, bspw. eine Leggins. Dies ermöglicht es Fehlhaltungen und -stellungen zu korrigieren.
Eine Jeans ist nicht geeignet, da man in ihr nicht die nötige Bewegungsfreiheit besitzt.
Röcke sind besonders in den fortgeschritteneren Gruppen sehr beliebt. Während des Aufwärmens und der Technikübungen sollte jedoch auf diesen verzichtet werden. Je nach Temperatur ist es empfehlenswert auch unter dem Rock einen Hose zu tragen.

Füße

Das allerwichtigste Thema, wenn es um die optimale Trainingskleidung geht: Schuhe. Im folgenden einige Möglichkeiten und deren Beurteilung

Socken Besonders bei Drehungen bergen Socken aufgrund ihrer rutschigen Beschaffenheit einige Gefahren. Man hat keinen ausreichenden Halt.
Barfuß Der Fuß schwitzt beim Tanzen. Dies hat zur Folge, dass sich die Bodenhaftung erhöht. Ein Verdrehen des Knies kann die Folge sein. Allerdings ist das barfuß tanzen unter Tänzerinnen weit verbreitet. Besonders bei Auftritten wird auf Schuhe gerne verzichtet.  Zudem soll das barfuß "gehen" das Gleichgewicht schulen. Jedoch sollte beim Tanzen vor allem der gesundheitliche Aspekt im Vordergrund stehen. Das "geerdet sein" und den "Bodenkontakt" spüren ist auch mit einer ordentlichen Sohle möglich.
Schläppchen mit Gummisohle Sie haben den gleichen Effekt wie ein nackter Fuß.
Schläppchen mit Ledersohle/ Leder- und Gummisohle Sie bieten ausreichend Halt und Rutschfähigkeit. Jedoch müssen die Ledersohlen von Zeit zu Zeit wieder angeraut werden, da sie auf glattem Boden sonst den Effekt haben wie eine Socke.
Halbschuhe oder Afro-Sandalen Wer nicht gerne mit Schuhen tanzt findet bei den Halbschuhen die optimale Lösung. Afro-Sandalen werden mit einem Riemen um das Fußgelenk und einer Zehenschlaufe, wie bei einem Flip-Flop, getragen. Die Halbsohle bedeckt nur den vorderen Teil des Fußes und den Ballen und wird durch zwei Zehenschlaufen gehalten. Unter dem Ballen befindet sich ein Stück (Wild-)Leder, dass bei Drehungen die mögliche Flexibilität erzeugt.

Wichtig beim Tragen dieser Schuhe ist, dass sie richtig sitzen. Man darf nicht das Gefühl haben, den Schuh mit den Zehen oder durch eine verkrampfte Fußstellung halten zu müssen.

Jazz-Schuhe Wer gerne mit einem geschlossenen Schuh tanzt, für den bietet der Jazz-Schuh eine Lösung. Wichtig ist, dass der Schuh über eine geteilte Sohle und ausreichend Flexibilität verfügt. Meist haben diese Schuhe einen kleinen Absatz, der bis zu einer gewissen Größe auch förderlich für eine gerade Haltung sein kann.
Achtung: Schuhe! Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass das Obermaterial und die Sohle ausreichend flexibel sind.

Wichtig: Jeder gesundheitliche Schaden erfolgt durch eine meist jahrelange Verwendung falscher Kleidung.

Wasser

Auch die Flasche Wasser sollte beim Packen der Trainingskleidung nie fehlen, denn durch das Schwitzen und den damit verbundenen Wasserverlust kommt es zu einer schlechteren Versorgung der Muskelzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Man sollte also frühzeitig vorbeugen und schon vor der Tanzstunde ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen.
 

Quellen und weiterführende Links:

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