Tribal ist ein Experiment, das hoffentlich niemals endet.
Stichwörter
Accessoires - ATS - Bewegungen - Cues - Fusion - Geschichte - Haltung - Kostüm - Musik - Tanz - Tribe - Stamm|
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Ende der 1960er Jahre entstand der "Tribal Style Dance" in den USA. Die Gruppe "Bal Anat" unter der Leitung von Jamila Salimpour waren die ersten die TSD tanzten. Ihre Kostüme waren folkloristisch angehaucht und ähnelten den Ghawazee Kostümen.
Der Tanz war eine Mischung aus orientalischem Tanz und Fantasie. Jamilas Tänzerinnen bildeten verschiedene Stämme. Hier liegt auch der Ursprung des Begriffes "Tribal Style Dance", zu deutsch Stammestanz.
Masha Archer war damals eine Schülerin von Jamila. Sie gründete die "San Francisco Classic Dance Troupe", die 14 Jahre , bis Mitte der 1980er bestand. Sie schuf eine einheitliche "Stammestracht" und entwickelte Jamilas Stil weiter.
Ihre Schülerin Carolena Nericcio gründete nach sieben Jahren als Mitglied von Mashas Truppe "FatChance BellyDance" (FCBD) im Jahr 1987. Heute gilt der Stil von FCBD als Inbegriff des TSD.
Die Tribal-Welle schwappte Mitte der 1990er nach Deutschland. Hauptsächlich durch Show- und Lehrvideos begannen einzelne Bauchtänzerinnen sich mit TSD zu beschäftigen. Amira Mona gründete 1998 den ersten deutschen Tribalstamm. Heute gibt es Deutschlandweit etwa 70 im Internet vertretene Stämme. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen.
Ein Tribe, zu deutsch Stamm, setzt sich zusammen aus stolzen Frauen, die eine starke Gemeinschaft bilden. Sie grenzen sich durch eine Stammestracht, Gesichtsbemalung, Schmuck, kurz durch ihr ganzes Erscheinen von anderen Stämmen ab. Im Vordergrund steht der gemeinsame Tanz, der mit großer Harmonie erfüllt sein sollte.
Heutzutage ist Tribal zu unterteilen in die Gruppen, die auf Basis des ursprünglichen Stils, also American Tribal Stil (ATS) tanzen und den Gruppen, die so genannte "Fusions" benutzen.
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Der ATS wird improvisiert. Meistens bildet der orientalische Tanz die Basis für Schritte und Bewegungen. Elemente aus klassisch orientalischem Tanz bilden die Grundlage für die weichen, langsamen Bewegungen des Oberkörpers und der Arme. Die Elemente aus der arabischen, vor allem nordafrikanischen Folklore schaffen die Basis für erdige, schnelle Bewegungen der Hüften. Hinzu kommen weitere fantasievolle Elemente.
Die Bewegungen sind beim rein improvisierten Tribal meist einfach und werden immer wiederholend getanzt. Der Tanz besteht aus einfachen Formationen wie Kreis, Reihe oder Chorus. Schritte werden durch Zeichen, so genannte Cues, manchmal auch verbal durch Ausrufe (z.B. "Jippp", "Ahhai") von der "Vortänzerin" angesagt. Die Codes sollten vom Publikum nicht wahrgenommen werden. Die Sprache spricht der Körper. Solos und Duette und kurze einstudierte Schrittfolgen, die wiederum über Cues eingeleitet werden ergeben ein abwechslungsreiches Bild und machen den Tanz interessant. Getanzt wird möglichst synchron. Nur so kann die Einheit und Gemeinschaft nach außen getragen werden. Beim Tribal gibt es kein besser oder schlechter. Die Gruppe trägt und stärkt sich gegenseitig.
Fusions entstehen durch den Verbund des
ursprünglichen TSD mit Bewegungen aus anderen Tanzstilen.
Dies kann moderner Tanz, indischer Tanz, Breakdance und
vieles mehr sein. Der Kreativität der Tänzerinnen sind hier
keine Grenzen gesetzt. Besonders beliebt ist Cabaret Tribal
oder der von
Rachel Brice und The Indigo entwickelte Snake Tribal.
Viele junge Tribes orientieren sich an diesem Stil. Die
Darbietungen sind dann allerdings weniger improvisiert,
sondern choreographiert. festgelegte Schritte und Wechsel
dominieren. Momentan auf dem Vormarsch ist der so genannte
Gothic Tribal Style. Düstere, fantasievolle Elemente bestimmen
diesen Tanzstil.
Die Haltung ist sowohl beim ATS als auch bei den Fusions anders als beim OT weniger verspielt und eher starr. Durch das Zusammenführen der Schulterblätter wird der Brustkorb gehoben. Das Becken bleibt nach wie vor gekippt. Es ist keine Hohlkreuzstellung! Dies verleit dem Körper eine große Spannung und stolze Haltung (einfach mal ausprobieren!). Vor dem Tanz sollte daher die Rücken- und Beinmuskulatur ausreichend gestärkt werden.
Alle Schritte werden wie schon angesprochen mit höchster Genauigkeit ausgeführt und häufig mehrmals hintereinander wiederholt. Die Arme bleiben eher starr und verschnörkeln die Bewegungen nicht, wie bspw. im orientalischen Tanz. Im Vordergrund steht die Synchronität der Tänzerinnen. Dies verleiht dem Tanz Kraft und Harmonie. Wechsel geschehen daher langsam, so dass die Gruppe der Leitung folgen kann. Dies erfordert ein intensives Training, damit die Tänzerinnen untereinander gut eingespielt sind.
Tribal ist Würde, Mystik und Erhabenheit. Er wird getanzt von starken Frauen, die eine starke Gemeinschaft bilden. Tribal in einer wild zusammen gewürfelten Gruppe zu tanzen ist immer schwierig. Eine große Harmonie innerhalb der Gruppe ist von großer Bedeutung. Es gilt ein blindes Verstehen füreinander zu entwickeln, damit die Bewegungen im Tanz fließen können.
Tribal ist eine
Mischung aus Technik, Gefühl,
Präzision, Synchronität
und Lebenseinstellung.
Fast immer wird der Tanz begleitet durch
das Zimbelspiel der Tänzerinnen. Man tanzt mit Säbeln, wie
man es aus Folkloretänzen aus dem nordafrikanischen Raum
kennt, mit Stöcken wie in Indien, mit Lichtern, Fackeln,
Feuerschalen und vielem mehr.
Die Musik ist fast ausschließlich instrumental, oft mittelalterlich angehaucht, aber auch originale Folklore, Gypsy, australisch, indisch oder indianisch. Der Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt.
Viele Tribes orientieren sich mittlerweile an bestimmter Musik oder an bestimmter Kleidung verschiedener Völker. So entsteht eine Farben- und Formenvielfalt, die jeden Tribe zu etwas unverwechselbarem werden lassen kann.
Das wichtigste beim Tribal ist das Kostüm, das in der Gruppe immer einheitlich sein sollte, um sich von anderen Tribes abzugrenzen.
Gekleidet wird sich meist mit Pumphose,
darüber einen weit schwingenden Rock. Als Oberteil ein rückenfreies
Choli oder eine Bluse mit Brustmieder. Auf dem Kopf tragen
viele Tribes einen geschmückten Turban mit nach hinten fallendem
Schleier oder immer öfter auch offenes Haar. Weitere Elemente
sind Berberschmuck aus Nordafrika und Nomadenschmuck aus
Afghanistan. Den befestigt man sich in großen Mengen an
Oberteilen, Gürteln und am Turban. Die Hüftgürtel, meist
Spiegel-, Fransen- und Münzgürtel, werden geschmückt mit
Kaurimuscheln, Perlen, Münzen, Bommeln oder Schmuck. Die
Stoffe sind meist aus Baumwolle, Leinen und Seide, aber
auch Samt. Das Kostüm wächst mit dem Tanz und sollte von
der Gruppe gemeinsam ausgesucht werden.



